Motoren-Nachlese 2018

Was unsere Nixen antreibt
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Enola Gay
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Motoren-Nachlese 2018

Beitrag von Enola Gay » Sa Dez 29, 2018 1:34 am

In den letzten Tagen des ausklingenden Jahres 2018 ging es Motorenmäßig in meiner Werkstatt noch einmal so richtig zur Sache ;)
Enduro-Freund Kalle war die vergangenen Tage mit insgesamt 4 NiXen-Motoren nochmal bei mir vorstellig geworden. Es galt zum einen, einen 'Leih-Motor' vereinbarungsgemäß wieder 'zurück-zu-bringen' 8-) und drei eigene Motoren - alle mehr oder weniger beschädigt, zu zerlegen - und wenn möglich aus den verbleibenden Teilen - einen 'Funktionsfähigen' herzustellen.
(Ich hatte dieses Unterfangen bereits im Vorfeld für 'Unmöglich' erklärt ;))
Aber es wurde 'ganz_Lustig' - wir haben einige 'neue_Erkenntnisse' gewonnen - die bisher im Forum unbekannt waren und möglicherweise wird zum Jahresende doch noch ein "PhöNiX" dabei herauskommen.

DSCI2018.JPG
Vier NiXen-Motoren hatte ich bis Dato auch noch nicht zugleich auf der Bühne/Werkbank ;) - als erstes habe ich einmal meinen eigenen 'Leih-Motor' in Sicherheit gebracht - nicht dass der 'aus_Versehen' noch mit zerlegt wurde :). Bei vier Motoren gleichzeitig, da kann man leicht mal den 'Überblick verlieren.
Bei den drei Motoren von Kalle handelte es sich um zwei MD25 und einen MD21 Motor, wie bereits angesprochen mit bekannten Schäden, bzw. mit bestehenden Motorgeräuschen.

DSCI2019.JPG
DSCI2020.JPG
Bei Motor #-1 wurden beim entfernen des Kühlmittel-Schlauches vom Zylinder zur Kühlmittel-Pumpe massive Ablagerungen - wie bereits von Helmut beschrieben, sichtbar - derartige Ablagerungen machen jeden Kühler-Deckel 'funktionsunfähig' bzw. zerstören die 'mechan.-Dichtung' der Kühlmittel-Pumpe.

DSCI2023.JPG
Bereits vor der Zerlegung des vorstehenden Motors war bekannt, dass hier ein Zylinderkopf-Schaden vorlag - die Frage war halt, wie es ein Stockwerk tiefer, im Keller aussah (?)

DSCI2022.JPG
Ein Schaden den ich bisher noch nicht zu Gesicht bekommen hatte - das Pleuel hatte am oberen Lager zum Kolben-Bolzen deutliches Spiel - das untere Pleuel-Lager war ohne erkennbares Spiel. Einen derartigen Schaden hatte ich bis Dato noch nicht :?.
Das obere Pleuel-Lager war deutlich oval verformt - eine Fühler-Lehre 0,05 mm ließ sich problemlos einschieben. Der Rest der Welle, die Hubscheiben mit den wichtigen Verzahnungen für Steuerkette und Primärtrieb, waren unversehrt - mit einem neuen Pleuelsatz lässt sich diese Kurbelwelle retten (!)
Der Motor hatte bis zum Ausbau volle Leistung - allerdings ein zunehmendes 'Tickern' bei Belastung.

Genug für Heute - mfG. Herbert
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BerniK
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Re: Motoren-Nachlese 2018

Beitrag von BerniK » Sa Dez 29, 2018 9:29 am

Hallo Helmut,

du gehörst für mich zu den absoluten "Gurus"
Wow, da ziehe ich meinen Hut ! :) :) :) :)


VG
Bernd
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Re: Motoren-Nachlese 2018

Beitrag von endurolo » So Dez 30, 2018 11:24 am

Hallo Herbert,
toll das du dein Wissen weitergibst, das machen nur die wirklichen Asse. Wenn man so die Bilder der Motorschäden sieht stellt sich die Frage: wie ist das denn möglich. Nach fast 40 Jahren mit 4 Takten im Motorrad gibt es meines Erachtens nur ein paar wenige Antworten. Wartungsstau, Vernachlässigung, Rücksichtslosigkeit. Wenn alles zusammen kommt hat auch der beste Motor nur eine kurze Lebenserwartung.
Wenn der Ölwechsel( immer mit Filter) nach spätestens 5000 km gemacht wird, anständig warmgefahren wird, und auch das Kühlsystem nicht vernachlässigt wird, hält jeder Motor ( Fehlkonstruktionen ausgenommen) eine sehr lange Zeit.

In diesem Sinn wünsche ich ein Gutes Neues Jahr

Lothar

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kalle
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Re: Motoren-Nachlese 2018

Beitrag von kalle » So Dez 30, 2018 1:50 pm

Moin Herbert,
vielen Dank nochmals.
Kann jetzt die Straßen mit meiner Frau wieder unsicher machen. :mrgreen:
Gruß kalle

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Enola Gay
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Re: Motoren-Nachlese 2018

Beitrag von Enola Gay » So Dez 30, 2018 5:53 pm

Wenn man so die Bilder der Motorschäden sieht stellt sich die Frage: wie ist das denn möglich. Nach fast 40 Jahren mit 4 Takten im Motorrad gibt es meines Erachtens nur ein paar wenige Antworten. Wartungsstau, Vernachlässigung, Rücksichtslosigkeit. Wenn alles zusammen kommt hat auch der beste Motor nur eine kurze Lebenserwartung.
Wenn der Ölwechsel( immer mit Filter) nach spätestens 5000 km gemacht wird, anständig warmgefahren wird, und auch das Kühlsystem nicht vernachlässigt wird, hält jeder Motor ( Fehlkonstruktionen ausgenommen) eine sehr lange Zeit.

Hallo Lothar;

Du hast m.E. drei von vier Säulen genannt (wie zerstöre ich einen Motor) - es fehlt lediglich die 'vierte_Säule', nämlich 'techn._Unverständniss' des Besitzers, oder desjenigen der zuletzt an einem solchen Motor gearbeitet hat.
Ich werde berufsbedingt - auch als Rentner - noch ganz oft mit Bildern von solchen Schäden konfrontiert. Meistens konnte ich die Entstehung dieser Schäden - mit dem WHB neben mir und einem Glas guten Rotweins vor mir - schlüssig aufzeigen 8-). Versuchen wir es einfach mal anhand des folgenden Foto's.

DSCI2023.JPG
Die entstandenen Schäden an den Nockenwellen-Lagern sind offensichtlich durch Ölmangel entstanden - auf den ersten Blick ist 'seltsam' dass lediglich das linke Lager der Einlass-Nockenwelle und das rechte Lager der Auslass-Nockenwelle betroffen ist (in Fahrtrichtung) - das linke Lager der Auslass-Nockenwelle ist o.k.
Warum :?: - genau dieses Lager wird als letztes mit Öl versorgt - und zeigt keinerlei Schäden (!)
Transparent wird das Ganze, wenn man sich den Öl-Laufplan im WHB anschaut. Die Ölversorgung zum Zylinderkopf erfolgt von der Ölpumpe durch die am Kupplungsdeckel verschraubte verchr. Ölleitung zuerst zum Zylinder und dann weiterführend zum Getriebe (das soll jetzt aber nicht von Interesse sein) der uns hier interessierende Ölstrom wird am rechten hinteren Zylinder-Stehbolzen entlang bis in den Zylinderkopf geleitet. Dort verteilt sich dieser Ölstrom durch den (rechten) Nockenwellen-Lagerbock - durch die 'hohlgebohrten' Nockenwellen zu den eigentlichen Lagerstellen (oberer grüner Pfeil).
Wie auf dem Bild zu erkennen ist, sind über den beiden innenliegenden rechten Zylinder-Stehbolzen Kunststoff-Stopfen angebracht - einer dieser Kunststoff-Stopfen fehlte bei diesem Motor - und liegt vermtl. auch heute noch unter einer Werkbank od. Hebe-Bühne (... war wohl nicht so wichtig - geht ja auch so ;))
Durch diesen 'fehlenden Stopfen' konnte das nach oben in den Zylinderkopf geförderte Öl gleich an der ersten Lagerstelle wieder zurück in den Öl-Sumpf fließen und die verbleibenden beiden Lagersitze begannen 'zu_Fressen'. Bleibt die Frage ... warum hat das Lager, welches am letzten mit Öl versorgt wird, keinen Schaden davongetragen (?)
Die Antwort ist zu einfach, um auf Anhieb darauf zu kommen - bei eingebautem Motor ist der Zylinder um ca. 20° nach vorne hin geneigt - und an dem linken Lager der Auslass-Nockenwelle bildet sich dadurch eine 'Öl-Pfütze', die offensichtlich ausgereicht hat, damit die Lagerstelle keinen Schaden genommen hat ;)
Auf jeden Fall sollte man denjenigen, der zuletzt an dem Motor gearbeitet hat - öffentl._Auspeitschen, auf's Rad flechten, exkommunizieren - oder zumindest 'gleichwertig_Belohnen'.

Schade um den schönen Motor - Herbert
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Enola Gay
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Re: Motoren-Nachlese 2018

Beitrag von Enola Gay » So Dez 30, 2018 8:59 pm

Ich_nochmal ;);

noch eine wesentliche Erkenntnis, welche mir zumindest bisher unbekannt war - nicht alle MD25 Motoren haben die 72mm großen KW-Hauptlager (!)
DSCI2026.JPG

Doppelt ärgerlich, wenn man die 'relativ_teueren' 72mm Hauptlager im Vorfeld schon gekauft hat :cry:
DSCI2027.JPG
Glücklicherweise hatte ich noch einen Satz 68mm Hauptlager vorrätig und wir konnten den Motor cpl. neu Lagern.

bei allen Motoren die wir zerlegt haben, wurden die Kolben, Zylinder und das Stoß-Spiel der Kolbenringe geprüft, alle(!) befanden sich in 'neuwertigem Zustand' - selbst die Teile des MD25 Motors mit knapp 90.000 km.
DSCI2031.JPG
DSCI2032.JPG

Einer der 'Vorbesitzer' muss ein großer 'Tuning-Spezialist' gewesen sein und hat sich am Zylinderkopf getreu dem Motto "großes_Loch = hohe Leistung" ausgetobt (sehr Professionell sieht das nicht aus).
DSCI2030.JPG

Zumindest hat er die notwendige Verdichtungs-Erhöhung nicht durch abfräsen von Zylinder oder Zylinder-Kopf herbeigeführt, sondern durch Verwendung einer selbstgeschnittenen 3/10mm starken Zyl.-Fussdichtung.
DSCI2028.JPG
schönen Abend noch - Herbert
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Re: Motoren-Nachlese 2018

Beitrag von endurolo » So Jan 06, 2019 11:14 am

Hallo Herbert,
erst einmal ein Gutes Neues Jahr. Dann ein Dankeschön dafür, wie du den Schaden der Nockenwellenlager beschreibst. Ja, es war noch nie gut wenn nach der Motormontage Teile übrig sind. Habe zwei DR Motoren auseinandergebaut, bei beiden hatte man vergessen einen Sicherungsring des Kolbenbolzens zu montieren. Die Riefen die dann entstehen machen den Zylinder dann zum Kernschrott. Habe dann einen Motor mit gebrauchtem und überholten Zylinder wieder aufgebaut was dann beim ersten Start zur vollen Verwunderung beim Besitzer führte. Ohne Deko war das Teil nicht zustarten. Welch Wunder.

Viele Grüße, Lothar

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Re: Motoren-Nachlese 2018

Beitrag von scrambler » Mo Jan 07, 2019 6:51 am

Enola Gay hat geschrieben:
So Dez 30, 2018 8:59 pm
Ich_nochmal ;);

noch eine wesentliche Erkenntnis, welche mir zumindest bisher unbekannt war - nicht alle MD25 Motoren haben die 72mm großen KW-Hauptlager (!)
Hallo Herbert,
eigentlich schon ;) . Lt Ersatzteilkatalog waren ab Motor Nummer MD25E-5100011 die großen Kugellager drin
kugellager MD25.jpg
Also hatten nur die ersten 10 MD25 Motoren noch die kleinen Kugellager - allerdings wurden lt Katalog nur Motoren ab 5100011 eingebaut. Deinen Motor mit der Nummer 5100005 dürfte es also garnicht geben :) . Das könnte also entweder ein Ersatzteilmotor gewesen sein (das wurde tatsächlich angeboten) oder es war eine Vorserienmaschine. Auf jeden fall eine interessante Geschichte - ist denn bekannt, woher dieser Motor stammt?

Was auch noch interessant wäre - welche Pleuel Nr in welchem Motor-Nr verbaut war - das Pleuel mit dem ausgeschlagenen oberen Auge (das hatte ich schon vor Jahren an einem 88er MD21 Motor mit wenig km festgestellt https://www.nx250.de/mediapool/143/1434 ... 00-680.jpg ) hat die Nummer "2".

Bild
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Helmut
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Re: Motoren-Nachlese 2018

Beitrag von Helmut » Mo Jan 07, 2019 11:19 am

Wer schon mal Vorarbeiter in einer Produktionslinie war, der weiss dass man jede Änderung dokumentieren muss.
Und dabei passieren leider hin und wieder menschliche Fehler.
Gibt es überall, auch bei Honda.

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Enola Gay
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Re: Motoren-Nachlese 2018

Beitrag von Enola Gay » Mo Jan 07, 2019 11:22 am

Also hatten nur die ersten 10 MD25 Motoren noch die kleinen Kugellager - allerdings wurden lt Katalog nur Motoren ab 5100011 eingebaut. Deinen Motor mit der Nummer 5100005 dürfte es also garnicht geben :) . Das könnte also entweder ein Ersatzteilmotor gewesen sein (das wurde tatsächlich angeboten) oder es war eine Vorserienmaschine. Auf jeden fall eine interessante Geschichte - ist denn bekannt, woher dieser Motor stammt?
Moin Michael - dazu müsste Kalle Auskunft geben.
Lt. Aussage hat er die Maschine bereits mit einem Motorgeräusch gekauft - evtl. hilft ja die Fg.-Nr. weiter.

mfG. Herbert

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