ToDo Liste für NX650 Neubesitzer

Wenns klappert, an der Ampel abstirbt oder kein Zündfunke waltet
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scrambler
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ToDo Liste für NX650 Neubesitzer

Beitrag von scrambler » So Mär 02, 2014 6:50 am

Hallo stolzer Neubesitzer,

damit du lange Freude an der Domi hast, sollte folgendes beachten werden:

der Motor ist ein waschechter Oldi und als solcher zu behandeln, sprich

regelmässige Ölstandskontrolle
Erst sichergehen, das (durch einen Ölwechsel) die richtige Ölmenge im Motor ist, dann anfangs vor und nach jeder Fahrt den Ölstand kontrollieren, bis du ein Gefühl für die Ölstandsschwankungen entwickelt hast. Je nach Baujahr muss man den Ölstand direkt nach dem Abstellen des warmgefahrenen Motors messen, da der Ölpegel - in Abhängigkeit von der verbauten Ölpumpe - schnell absinken kann. http://89232.forumromanum.com/member/fo ... user_89232

Im alten Öl/Ölfilter auf Metallpartikel achten!

Achtung: in manchen Fahrerhandbüchern wird angeben, das man nach dem Ablassen des Motoröls den Motor mit dem Kickstarter noch etwas drehen soll, um auch das Öl in der Steigleitung/Ölpumpe abzulassen. Dabei gelangt aber Luft in die Ölpumpe - bei den neueren Ölpumpen ist dann nicht mehr gewährleistet, das sie anschließend noch fördert http://www.nx250.de/oelpumpe-nx650.html! Daher unbedingt dieses Leerlaufenlassenn vermeiden und ggf. zur Sicherheit die Funktion der Ölpumpe überprüfen - Motor laufen lassen und die untere Hohlschraube an der Ölsteigleitung ein bisschen öffnen - es muss sofort Öl rauskommen!

sorgfältige und regelmässige Wartung
Insbesondere die Ölwechselintervalle (alle 3000km) sollten nicht überzogen werden (dafür ist die Ölsorte nebensächlich, ein normales Motorradöl reicht)

keine hohen Dauerdrehzahlen
Ebenso keine Kaltstarts mit hohen Drehzahlen aber auch kein Warmlaufenlassen im Stand. Dieser Unsinn, der im Fahrerhandbuch steht, kann lebensgefährlich für den Motor sein. Das kalte, zähe Öl tropft anfangs nämlich nur langsam zurück in die Ölwanne, dadurch sinkt der Pegel im Rahmentank http://youtu.be/c2X9KR8W7Og (in dem Schlauch am Rahmen wird der Ölstand angezeigt). Am besten läßt man den Motor ein paar Sekunden im Leerlauf tuckern und fährt dann sofort los (mit moderaten Drehzahlen).

auf Geräusche achten
Der Motor muss mechanisch leise laufen, wenn irgendwas klappert, rasselt oder sonstwie Geräusche macht, sofort Motor aus - und der Ursache nachgehen. Nicht erst noch versuchen, mit klappernden Motor nach Hause zu fahren - der Grad zwischen "kriegmernochhin" und "kernschrott" kann extrem schmal sein.

Wen es interessiert: für den eigentlich geplanten Einsatzzweck ist der RFVC Motor perfekt konstruiert.

Beispiel fehlende Simmeringe an der Ölpumpe - die Kontrukteure wußten natürlich, das ohne die Simmeringe der Öltank leerläuft, haben aber darauf verzichtet, sie einzubauen, weil sie einen gravierenden Nachteil mit sich bringen: sie kann sich u.U. nicht mehr selbst entlüften. Und gerade bei einer Enduro kann es ja bei einem Sturz passieren, das der Motor über Kopf weiterläuft und dann sofort Luft ansaugt. Eine Pumpe mit Simmeringe könnte dann versagen, eine ohne entlüftet sich selbst und fördert sofort weiter, sobald das Motorrad wieder gerade steht (übrigens ist das der Grund, warum einige XR/NX Fahrer schwören, die Domipumpe müßte man niemals nicht entlüften).

Beipiel Nockenwellenlagerung - die Honda Leute wußten natürlich auch, das u.U. der Ölfluss zum Zylinderkopf kurzfristig aussetzen kann (nach Sturz s.o., aber auch bei hohen Drehzahlen, wenn die Pumpe zu heiß wird und kaum noch fördert). Deswegen ist die Nockenwelle kugelgelagert, da kann also nix passieren (die XTs haben da Gleitlager). Das mittlere Nockenwellenlager ist m.M. nach kein Gleitlager, sondern nur ein Stützlager, um ein Durchschwingen der Nockenwelle bei hohen Drehzahlen zu verhindern. Indiz dafür ist, das in den WHBs kein Verschleißmaß angegeben ist! Und ich bin mir sicher, wenn man mal bei einem neuen Zylinderkopf (den ich nicht habe) mit einer neuen Nockenwelle vermessen würde, wäre das Spaltmaß des mittleren Nockenwellenlagers viel größer als bei einer Gleitlagerung üblich.
In das Bild paßt, das Honda so um 1986 andere Kipphebel (bei der XL600R) einführte, ganz offensichtlich für bessere Notlaufeigenschaften.

Das Prinzip drucklose Schmierung des Zylinderkopfs funktioniert also (hat es auch problemlos bei Millionen von Gebrauchs 1-2 Zylinder Hondas), das einzige was Probleme macht, ist der hoch angebrachte Öltank. Wenn der Motor richtig heiß wird (und ich würde mal sagen, so ab 130C wirds kritisch) bekommt die Ölpumpe zunehmend Probleme, dem hydrostatischen Druck im Öltank standzuhalten, schließlich entleert sich der Öltank teilweise ins Motorgehäuse. Dort wird das Motoröl schaumig geschlagen und entweicht über die Entlüftung. Das alleine ruiniert zwar noch nicht zwingend den Motor, doch steigt damit der Ölverbrauch drastisch an (bis zu 3l /1000km). Merkt man das nicht rechtzeitig, sind dann tatsächlich ruckzug nur noch die berüchtigten 0,5 l Öl im Motor. Wenn man bei jedem Tankstopp den Ölstand kontrolliert ist man daher auf der sicheren Seite.

Es gibt noch ein weiteres Indiz, das der Öltank das Problem ist - alle RFVC Varianten (Xr, XL etc.) fallen durch überdurchschnittlich viele Kopfschäden auf, mit einer Ausnahme: die XBR500. bei dieser sind Schäden (wenn man die Foren durchforstet) selten und viele XBR erreichen tatsächlich 100.000km und mehr ohne Probleme. Nun ist der XBR motor praktisch identisch, auch die Ölpumpe (ohne Simmeringe!), woran liegts also?

Meiner Vermutung nach an dem tiefer gelegtem Öltank, der sich über der Hinterradschwinge befindet. Bei der Vorstellung der XBR haben sich alle über die auffällig im hohen bogen verlegten Ölschläuche gewundert und warum die wohl nicht optisch unauffällig unterhalb des Motors verlegt wurden http://images.1000ps.net/g-000150-g_W15 ... 320392.jpg.

janz einfach - oberhalb verlegt kann der Öltank nicht leerlaufen - unterhalb schon (tatsächlich ist genau das einem Fahrer passiert, der einen RFVC Motor in ein UNO Fahrgestell eingebaut hat).

Womit sich der Kreis schließt - wer ganz auf Nummer sicher gehen will braucht einen Ölkontrollschlauch am Rahmentank. dahin führen mehrere Wege - z.b. man trägt ihn nicht ein. ich kann mir nicht vorstellen, das das jemals irgendein Prüfer bemerken würde. oder man achtet darauf, das man ein kleines 6mm Löchlein in das Knotenblech (und nicht ins Rahmenrohr) macht und den Bogen WIG mit feiner Schweissnaht einschweißt. Dann dürfte ein verständiger Prüfer keine Probleme damit haben. Man könnte auch die Ablassschraube des Öltanks nutzen (haben schon einige XR Fahrer gemacht), ich persöhnlich hätte da ein ungutes Gefühl.Wenn meine Lösung undicht wäre, würde sich max 0,8l Öl über den Motor entleeren - zwar eine Riesenschweinerei, aber der Motor hätte noch genug Öl. Wenn der Anschluss unten am Rahmentank undicht wird, könnte sich der Öltank komplett entleeren, mit bekannten Folgen ... ausserdem könnte sich das Öl genau vor dem Hinterrad verteilen :shock:


Gruß, Michael

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Re: ToDo Liste für NX650 Neubesitzer

Beitrag von nabu kudurri usur » So Jun 01, 2014 11:33 am

Ich würde zu den To-do's unbedingt das Festziehen des Schalthebels auf der Schaltwelle rechnen. Ich hab ne Menge - vielfach sogar werkstattgewarteter - Domis gesehen, an denen schlackerte der Hebel auf der Verzahnung nur so rum. Wenn sich niemand drum kümmert, wird die Verzahnung auf der Schaltwelle ausgenudelt und man darf eine neue Schaltwelle spendieren. Dazu muss leider der Motor komplett auseinander, was sich wirtschaftlich meist nicht lohnt. Ausweg: Festschweißen des Hebels auf der Welle; aber das kann dem Simmering den Garaus machen. Also immer schön die Schraube des Schalthebels im Auge behalten und ggf. anknallen.

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Re: ToDo Liste für NX650 Neubesitzer

Beitrag von scrambler » Mo Jun 02, 2014 6:55 am

nabu kudurri usur hat geschrieben:Ich würde zu den To-do's unbedingt das Festziehen des Schalthebels auf der Schaltwelle rechnen.
das stimmt - ich selbst hatte allerdings noch nie Probleme mit vernudelter Schaltwelle. Man merkt es auch an schlechter Schaltbarkeit, wenn sich mal wieder der Schalthebel gelockert hat. Ich vermute auch, das Zubehör-Schalthebel das Problem vergrößern (hatte immer nur originale).
Und dieser Punkt gehört auch in eine "kaufberatung", sprich vor dem Kauf einer Domi sollte man sich vergewissern, ob der Schalthebel fest ist - und wenn nicht, diese abmontieren und die verzahnung anschauen.

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