Kühlflüssigkeitsaustritt aus der Inspektionsöffnung

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alper
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Kühlflüssigkeitsaustritt aus der Inspektionsöffnung

Beitrag von alper » Di Dez 16, 2014 5:30 pm

Hallo,

ich wollte heute mal die Kühlflüssigkeit erneuern, weil ich ja nicht weiß, wie alt die schon ist. Kann ja mal nicht schaden und ist eigentlich kein Akt.
Jetzt stelle ich fest, daß da unterhalb der Ablaßschraube eine Öffnung im Gehäuse ist, aus der es etwas raussabbert. Laut WHB ist das eine "Inspektionsöffnung" und wenn da Kühlflüssigkeit austritt, soll die Gleitringdichtung der Wasserpumpe ersetzt werden. Beim Weiterlesen stelle ich leider fest, daß dazu dann auch der ganze Kupplungsdeckel runtermuß und diese Dichtung mit Spezialwerkzeug aus- bzw. eingepreßt wird. Puuh..., soviel wollte ich jetzt nicht schon wieder zerlegen.

Diese ganze Arbeit würde ich mir gerne sparen, deshalb meine Frage, ob ich den Streifen vielleicht einfach ignorieren kann? Oder sollte ich besser diese Dichtung tauschen, um keinen größeren Schaden zu provozieren? Bekomme ich diese Dichtung überhaupt noch?
Der schmierige Streifen aus Kühlflüssigkeit und Dreck ist vielleicht 5cm lang und hat es (noch) nicht in den Motorschutz geschafft.

LG
Jörg
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Enola Gay
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Re: Kühlflüssigkeitsaustritt aus der Inspektionsöffnung

Beitrag von Enola Gay » Di Dez 16, 2014 10:13 pm

Hallo Jörg;

Grundsätzlich mal 'keine Panik' - nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird ;) (!)
Zuerst wäre mal wichtig, ob der Kühler beim Öffnen des Kühlerdeckels bis obenhin gefüllt war (?)
Sollte dies der Fall gewesen sein, dann würde ich die 'Blutspur' am Gehäusedeckel vermutl. erst mal ignorieren :D .
Du mußt dir die Kühlmittelpumpe ungefähr so vorstellen: auf der einen Seite ist das Kühlmittel und dies wird durch das Flügelrad der Pumpe bewegt - auf der Motorinneren Seite sitzt der Antrieb der Kühlmittelpumpe, dort ist das Motoröl.
Die Pumpenwelle zum Motorinneren ist mit einem üblichen Wellendichtring (Simmerring) abgedichtet- das ist im Motorenbau üblich und funktioniert seit Jahrzehnten zufriedenstellend.
Problematischer ist es die Pumpenwelle zu dem Kühlmittel hin abzudichten (!) Hier kommt eine sog. 'mechanische-Dichtung' zum Einsatz. Als eigentliche Dichtmittel sind zwei Keramik-Körper vorhanden, die mit einer Spiralfeder aufeinander gedrückt werden. Als Schmiermittel zw. den Keramik-Körpern fungiert das Kühlmittel (funktioniert wirklich !).
Zwischen der 'mechanischen Dichtung' und dem Wellendichtring zum Motorinneren ist ein Hohlraum bestehend. Von diesem Hohlraum ausgehend ist die ins Freie führende 'Inspektions-Öffnung'.
Der Konstrukteur hat mit dieser Öffnung erreicht, dass sowohl Undichtigkeiten an dem Wellendichtring als auch an der mech. Dichtung, durch austretendes Öl od. Kühlmittel erkannt werden (!)
(Wie bei Dir geschehen :) )
Es kursieren Gerüchte ;) , dass besagte 'mech. Dichtung' nicht mehr lieferbar wäre - dem ist nicht so (!) Lediglich die Ersatzteil-Nr. hat sich mehrfach geändert (!)
Das letzte Honda-Modell bei dem eine solche 'mech.-Dichtung' verbaut ist, das wäre die 'Varadero 125' (XL125V). Die Kosten, die bei einer Erneuerung dieser 'mech.-Dichtung' anfallen, sind
aber erheblich (!) Du benötigst an Teilen: 'mech.-Dichtung' - Wellendichtring der Pumpenwelle - Dichtung des Kupplungs-Deckels - und wenn es mein Motor wäre, noch den Wellendichtring, der die Ölversorgung der Kurbelwelle / des Pleuels sicherstellt. Das sind geschätze Teile-Kosten von ca. 70,- b. 90,- EUR.
Ich weiß nicht, welche mech. Kenntnisse du besitzt - aber das erneuern der 'mech.-Dichtung' u.d. Wellendichtrings setzt fundierte Kenntnisse vorraus (incl. einer Drehmaschine um sich Einpresswerkzeuge anzufertigen) (!)

Ich habe vergangenen Winter schon mal eine solche Arbeit für ein Foren-Mitglied durchgeführt - sein Motor scheint immer noch dicht zu sein :) (Manchmal hat man halt Glück :mrgreen: )
Falls Du dich zu einem Austausch der 'mech.-Dichtung' entschließen solltest - ich würde diese Arbeit für dich durchführen. Bedingungen > ich verbaue nur 'original-Honda-Teile' und das Ganze müßte spätestens Anfang Februar über die Bühne gehen - danach beginnt für mich die Saison-und ich habe keine Zeit mehr für derartige Aktionen (!) (weitere info's d. PN)

Prüfe vor allem einmal (von Hand mit einem passenden Spiralbohrer, ob die Inspektionsöffnung 'frei' ist (!) Ich habe in einer Nixe mal permanent weiß/schaumiges Öl vorgefunden. Beim Zerlegen des Motors wurde ersichtlich, dass irgend ein Honk diese Inspektionsöffnung mit Silikon-Dichtmasse verschlossen hatte (!) Nach außen hin war alles schön dicht - das austretende Kühlmittel wurde dann durch den Wellendichtring der Pumpenwelle direkt ins Motoröl gedrückt :cry: - war offensichtlich eine 'Verkaufs-Reparatur (!)

mfG. Herbert
Zuletzt geändert von Enola Gay am Mi Dez 17, 2014 5:34 pm, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kühlflüssigkeitsaustritt aus der Inspektionsöffnung

Beitrag von alper » Di Dez 16, 2014 10:56 pm

Hallo Herbert,

vielen Dank für Deine prompte und wahnsinnig ausführliche Antwort!
Also: Der Kühler ist bis oben hin voll, somit ist wohl "ignorieren" die momentan beste, weil einfachste Option. Ich werde das Ganze mal die nächste Saison beobachten, ob und wie sich die "Blutspur" verändert. Sollte es schlimmer werden, dann komme ich gerne auf Dein Angebot zurück. Ich kenne zwar jemanden, wo ich auf eine Drehbank zugreifen könnte, aber solche Dinge, denen man nur mit Preßwerkzeugen beikommt, tausche ich ohne Not nur sehr ungerne.
Die Inspektionsöffnung ist im Übrigen komplett frei. Bei Fühlen mit einer Büroklammer hatte ich zwar einen leichten Ölfilm darauf, aber das ist wohl auch harmlos. Der Ölpegel jedenfalls ist weder gestiegen noch gesunken. Es schäumt auch nicht und riecht ganz normal.
Also kriegt die Nixe jetzt erstmal frische Kühlflüssigkeit und frisches Öl für die nächste Saison.

LG
Jörg
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Re: Kühlflüssigkeitsaustritt aus der Inspektionsöffnung

Beitrag von scrambler » Mi Dez 17, 2014 7:46 am

Enola Gay hat geschrieben: Ich habe vergangenen Winter schon mal eine solche Arbeit für ein Foren-Mitglied durchgeführt - sein Motor scheint immer noch dicht zu sein :)
Das war ja dann wohl ich ;) Da ich mich als Gelegensheitschrauber mit dem Einpressen der schweineteuren Dichtung überfordert fühlte, habe ich das den Fachmann machen lassen. Eine Anleitung zum Wechseln der Dichtung wird noch irgendwann einmal in meine HP eingestellt werden http://www.nx250.de/dichtung-austauschen.html.

Bild

@ Jörg würde die Dichtung auch erstmal nur beoobachten - sollte dann doch ein Dichtungswechsel nötig sein und Herbert im Sommer keine Zeit haben kann ich dir mit einem kompletten Kupplungsdeckel (leihweise oder im Tausch) aushelfen.

Gruß, Michael

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